Mehr Wahlfreiheit beim Ganztag statt „alles oder nichts“

imageSeit ich mich zuletzt zur Zukunft der Ganztagsgrundschulen in Mannheim geäußert habe, sind fast zwei Monate vergangen. In der Zwischenzeit hat das Thema in der öffentlichen Diskussion in Mannheim kaum eine Rolle gespielt, aber ich habe die Zeit genutzt um mit vielen Menschen zu sprechen, die an Schulen mit der Frage Ganztagsschule ja oder nein konfrontiert sind. Das waren Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrkräfte und Eltern, aber auch Politikerinnen und Politiker – aus der CDU und aus anderen Parteien, aus Mannheim und aus anderen Großstädten in Baden-Württemberg.

Um es kurz zu machen: Ich fühle mich in meiner Skepsis gegenüber dem von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen und nach den Beratungen im Bildungsausschuss und im Schulbeirat vorerst zurückgezogenen „Rahmenkonzept Ganztagsschule“ bestätigt.

Dabei geht es mir gar nicht um Fundamentalopposition gegen die Verwaltung – im Gegenteil. Auch ich halte Ganztagsschulen für einen wichtigen Bestandteil unseres Bildungswesens. Aber aus meiner Sicht müssen sie sich aus den Schulen heraus freiwillig entwickeln – und den Bedürfnissen und Wünschen der Eltern muss mehr Rechnung getragen werden. Auch ihnen – und nicht nur der Stadt – geht es um das Wohl der Kinder, und gut gemeinte Bevormundung sollte eigentlich tabu sein.

Man muss an dieser Stelle einmal darauf hinweisen, dass viele Schulgemeinschaften in Mannheim bisher eher zögerlich auf die Entwicklung zur Ganztagsschule reagieren. Das mag daran liegen, welche Option man ihnen anbietet und bisher reagieren sie eben auf das Konzept der Verwaltung. Ich habe an anderer Stelle bereits ausführlich geschildert, wo ich hier die Probleme sehe. (Rahmenkonzept Ganztagsschule und Angebot oder Bevormundung?)

Ich bin aber überzeugt, dass wir mit zwei Veränderungen gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag nicht nur einen breiten Konsens im Bildungsausschuss und im Schulbeirat erreichen könnten, sondern auch die Bereitschaft an den Schulen – bei der Lehrerschaft wie auch bei den Eltern – erhöhen würden, sich auf diesen Weg zu begeben.

Die Krux beim ursprünglich vorgelegten Konzept ist aus Sicht der CDU und vieler Eltern die mangelnde Flexibilität: Durch die Beschränkung auf das Modell 4 Tage à 8 Stunden in Kombination mit dem Wegfall der Schulkindbetreuung für Halbtagskinder an Ganztagsschulen in Wahlform werden die Eltern vor die Frage „alles oder nichts“ gestellt – ohne Rücksicht auf außerschulische Aktivitäten und ohne Rücksicht auf die unterschiedlichen Familienmodelle, in denen Eltern z.B. bewusst Teilzeit arbeiten, um ihre Kinder nachmittags selbst zu betreuen.

Beides sind aber Situationen die insbesondere in den Stadtteilen bestehen, für die vorrangig genau diese Ganztagsschulen in Wahlform angedacht sind.

Würde man nun – abweichend von der Verwaltungsvorlage – auch die anderen im Gesetz vorgesehenen Varianten der Ganztagsschule, mindestens aber das Modell 4 Tage à 7 Stunden (also nur bis 15 statt bis 16 Uhr) ermöglichen, könnten die Schulen sich stärker auf die Bedürfnisse der Eltern vor Ort einstellen.

Zusätzlich muss im Interesse der Vielfalt der Lebensentwürfe von Familien gewährleistet sein, dass nicht nur Ganztagskinder ergänzende Betreuungsangebote bis 17 Uhr erhalten sondern auch Kinder im Halbtagsbetrieb an Ganztagsschulen (in Wahlform) die bestehenden Angebote der Schulkindbetreuung z.B. durch freie Träger aber auch in städtischen Kinderhäusern oder durch Tageseltern nutzen können. Solange der Besuch von Ganztagsschulen durch grün-rote oder rot-grüne Bildungspolitik nicht zur Pflicht wird, werde ich mich dafür einsetzen, dass für die Eltern auch kein faktischer Zwang durch den Wegfall von Betreuungsangeboten entsteht.

Ganztagsschulen können nur erfolgreich eingeführt werden, wenn sie auch von allen Beteiligten gewünscht werden – von den Lehrerkollegien aber auch von den Eltern – und zwar nicht nur mit knapper Mehrheitsentscheidung in der Schulkonferenz. Dazu kann auch die Stadt als Schulträger beitragen, indem sie die Einwände ernst nimmt, die nicht nur ich und weitere Stadtratskollegen sondern auch VertreterInnen des Gesamtelternbeirats in der Sitzung des Bildungsausschusses und des Schulbeirats im Mai vorgebracht haben.

Als CDU-Mitglied könnte ich es mir leicht machen, mich im Gemeinderat überstimmen lassen und dann den absehbaren Elternprotest unterstützen, wie es ihn in anderen Baden-Württembergischen Kommunen gegen die Ganztagsschulgesetzgebung und deren Umsetzung gibt.

Aber mir wäre es deutlich lieber, wenn wir im Interesse der Kinder zu einem Konsens kämen, den auch die Eltern mit ihren sehr unterschiedlichen Bedürfnissen mittragen können. Die Mannheimer CDU-Gemeinderatsfraktion hat hier anlässlich der Beratung der Beschlussvorlage im Bildungsausschuss klare Forderungen im Sinne des Elternwahlrechts aufgestellt. Wir sind aber auch zu Kompromissen bereit, die das Elternwahlrecht stärken ohne eine vollkommene Beliebigkeit beim Ganztagsschulausbau zuzulassen.

Ich persönlich hoffe, dass wir damit einen Weg aufzeigen, den die Mannheimer Schulen und insbesondere die Eltern mittragen können.

Ergänzt: Antrag der CDU Gemeinderatsfraktion Elterwahlrecht stärken
und Pressemitteilung der CDU-Gemeinderatsfraktion Elternwahlrecht stärken

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